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| Autor | Thema: Diskussionsbeitrag zur aktuellen Lage in Madagaskar |
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| vince Administrator ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ID # 1 |
erstellt: 11. März 2010 06:43 zitat pm hp Leserzuschrift an FORUM MADAGASKAR: (Anmerkung 12.03.2010: Der Verfasser ist neu als User mit dem Nick: "Mafy_Bé" registriert) Meinung und Diskussionsbeitrag zur gegenwärtigen politischen Lage in Madagaskar Als erfahrenem Madagaskar-Reisenden will ich nicht der Versuchung anheimfallen, die bereits sattsam bekannten Fakten über den politischen Niedergang meiner geliebten roten Insel in Gänze zu wiederholen. Das Wiederkäuen überlasse ich daher den Zebus, wenngleich einige Fragen, die mir anlässlich der Machtergreifung des Herrn Rajoelina schon länger auf der Zunge liegen, noch der Antwort harren: Insbesondere jene nach der Rolle, welche die Republik Frankreich sowie die römische Kurie beim Staatsstreich 2009 gespielt haben (und immer noch spielen!) Niedergang bezeichnet in der Tat am besten jene Entwicklung, welche die Republik Madagaskar seit der Vertreibung des legitimen Präsidenten Marc Ravalomanana Anfang 2009 genommen hat: politisch eine Talfahrt, welche immer noch anhält, eine zutieftst korrupte Clique, die wie alle „Eliten“ Afrikas für ihr Volk nur Verachtung und für sich selbst nur hemmungslose Bereicherung übrig hat, kämpft um die Macht – denn jeder Tag zählt und hilft weiter, die eigenen Taschen noch praller zu füllen! A. Rajoelina mag in diesem perfiden Spiel nur eine Marionette seines Mentors Didier Ratsiraka sein, welcher – wie der abgehalfterte Albert Zafy - mit großem Erfolg seine politische Wiedergeburt in Madagaskar betrieben hat. Nachdem der alte Fuchs jahrzehntelang Milliarden von Dollar aus seinem Land gepresst hat , davongejagt und in Abwesenheit zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde – mittlerweile ist er amnestiert und es steht zu befürchten, dass sich sein unheilvoller Schatten wiederum aufs Land legt! Immerhin verfügt der junge Mann über genügend Chuzpe und Kaltblütigkeit, indem er die internationale Gemeinschaft fortwährden nasführt und die unvermeidlichen Folgen wie Isolation, Streichung von dringend benötigten Geldern usw. mitleidslos von seinem Volk ausbaden lässt! Von den alten Geschichten wie der langen Diktatur Ratsirakas und der korrupten, chaotischen Zeit unter A. Zafy mag man heutzutage freilich nichts mehr wissen: eifrig schmieden alte Seilschaften neue Bündnisse, Verhandlungen werden geführt – und alle Vermittlungsversuche werden mit schöner Regelmässigkeit von der sog. HAT durchkreuzt und zunichte gemacht... Die Zahl der Arbeitslosen ist dramatisch gestiegen, nach inoffiziellen Schätzungen haben mehr als 300.000 Madagassen durch die Krise ihren Reiserwerb verloren, die Lebensmittelindustrie (das Imperium und wirtschaftliche Standbein des früheren Präsidenten Ravalomana) ist weitgehend zerschlagen, insbesondere die Molkereiwirtschaft ist faktisch verschwunden! Nahezu alle Nahrungsmittel – sieht man von den landwirtschaftlischen Basisprodukten wie Reis, Gemüse, Früchte etc. ab – müssen eingeführt werden, der TIKO-Joghurt ist dahin, um unverschämt teuren Importen aus Frankreich oder Reunion die Regale freizumachen! Da die früher gut organisierte Molkereiwirtschaft auch eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Tierseuchen wie Rindertuberkulose gespielt hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese alte Plage Madagaskars wieder ihr Terrain zurückerobert. Der Tourismus – und auf dem liegt das Augenmerk europäischer Besucher – hat ebenfalls einen bitteren Einbruch erfahren: in vielen Nationalparks und an zahlreichen Sehenswürdigkeiten haben die ortsansässigen Fremdenführer seit Monaten keinen zahlenden Gast mehr gesehen, eine Katastrophe für viele Guides, die sich in ihren Lebensplanungen auf sichere Einkünfte verlassen haben und nun plötzlich vor dem Nichts stehen. In Ambalavao, so erzählte mir ein Guide dort, seien einige Fremdenführer plötzlich und scheinbar unerklärlich gestorben: alle fanden sich von heute auf morgen ruiniert und ohne Einkommen wieder, insbesondere für die meist zahlreiche Familie schrecklich. Dies, so der Guide, sei verantwortlich für den plötzlichen Tod von drei jungen, gesunden Männern gewesen, die Verzweiflung habe sie umgebracht.... Neben der drastisch geschrumpften Zahl ausländischer Besucher und des dadurch wegfallenden Einkommens der einheimischen Tourismus-Infrastruktur hat der Niedergang des Tourismus aber auch noch weitreichendere Folgen: es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass nur durch ausländisches Geld der Erhalt und Schutz der schwindenden Naturschätze Madagaskars gewährleistet werden konnte. Daher verwundert es nicht, dass zur Zeit ein massiver Raubzug auf die letzten intakten Ökosysteme der roten Insel stattfindet: die fehlende staatliche Kontrolle hat nicht nur Holzfäller und Tierfänger mobilisiert und machen Madagaskar seit über einem Jahr zum begehrten Revier profitgieriger Plünderer. Mit Billigung der HAT haben die Exporte von Rosen-, Palisander- und Ebenholz drastisch zugenommen, hier spielen insbesondere französische und chinesische Profiteure die Hauptrolle. Aber auch andere wittern Goldgräberstimmung und nutzen die Gelegenheit, richtig Kasse zu machen, wenn die vielen neugierigen Augen der Welt nicht mehr so genau hinschauen: Der Bergbausektor boomt wie nie zuvor, ein denkwürdiger Gegensatz zur sonst so trostlosen Entwicklung! Unternehmen wie RIO TINTO, die momentan die Gegend nordöstlich von Fort Dauphin in eine Mondlandschaft verwandeln, können getrost die Maske fallen lassen, wenn die Touristen nicht mehr sehen, was die Gier internationaler Konzerne vor Ort anrichtet. Es ist eine der Schattenseiten unserer modernen Industrienationen und eines der hässlichsten Gesichter des Kapitalismus, das sich unser Wohlstand auch auf die Ausbeutung ärmerer Länder gründet, welche die Rohstoffe haben, welche wir benötigen. Daher verwundert es beim zweiten Hinsehen nicht, das SHERRIT, ein kanadischer Bergbaugigant, für das Jahr 2010 seinen Anlegern ein „aggressives Wachstum“ versprochen hat. Sherrit ist Verantwortlich für das sog. Ambatovy-Nickelprojekt, welches eine riesige Schneise der Verwüstung durch die bis dato intakten Waldgebiete bei Moramanga gerissen hat. Mit über 3 Milliarden investierter US-$ hat man geklotzt und nicht gekleckert, voll stolz präsentiert das Unternehmen auf seiner Homepage ungeniert Photos der Verarbeitungsanlagen: gewaltige Reaktoren auf einer planierten Ebene, an deren hinteren Rand man noch den Waldsaum erkennen kann. Die paar hundert Arbeitsplätze, die unter dem Strich für die Madagassen rausspringen werden, stellen kaum einen angemessenen Gegenwert für die Vernichtung der Lebensgrundlagen von Zig- Tausend Menschen dar, hinzu kommen noch andere Folgen: die HIV-Infektionsrate beispielsweise ist in Fort Dauphin seit dem Beginn des Illmenit-Abbaus deutlich gestiegen und liegt um ein mehrfaches über dem sonst niedrigen Landesdurchschnitt! Die unweigerliche Zunahme der Prostitution, verursacht durch die vielen ausländischen Minenarbeiter , lässt befürchten, das HIV bald ein weiteres ernstes Problem für das geschundenen Land wird. Denn durch die relativ isolierte Lage Fort Dauphins konnte sich die Seuche bislang kaum im Lande verbreiten – in Ambatovy, keine 200 km von Antananarivo und Toamasina entfernt, sieht es ganz anders aus! Eine bessere „Einfalltor“ kann es hier, an der RN 2, kaum geben..... Dass die ausländischen Unternehmen Geld verdienen wollen, liegt auf der Hand – dass man Umweltauflagen in Ländern wie Madagaskar getrost vergessen oder durch Schmiergelder beseitigen kann, ist ein offenes Geheimnis. Umso besser für die Leute von Sherrit und RIO TINTO, wenn jetzt kaum noch Besucher kommen und sich die Bescherung vor Ort ansehen. Denn wie es aussieht, wenn gar niemand mehr hinsieht, dem seien ein paar Mausklicks auf „Google Maps“ empfohlen: In Westpapua betreibt RIO TINTO als Teilhaber von FREEPORT die weltgrößte Kupfer – und Goldmine der Welt, die Grasberg-Mine. Genau wie die seit 20 Jahren geschlossene Panguna-Mine auf der Salomonen-Insel Bougainville ist die gigantische Dreckschleuder schon vom Weltall aus zu erkennen: ein gewaltiger Krater im Urwald, der täglich Unmengen schwermetallverseuchten Abwassers in die Umwelt kippt und verheerende Schäden für die Natur verursacht. Eineimische, die sich wehren, werden schon mal von der indonesischen Armee gleich dutzendweise umgebracht - falls es Ihnen nicht wie bei der Panguna-Mine auf Bougainville gelingt, den Minenbetrieb durch einen Volksaufstand zur Einstellung zu bringen. Die Panguna-Mine soll übrigens 2010 wieder eröffnet werden, eine anhängige Klage gegen RIO TINTO/Bougainville Copper auf Zahlung von 1,6 Milliarden US-$ wegen der bislang begangenen Umweltschäden wird nicht einmal ernst genommen und beeinträchtigt die Pläne des Unternehmens in keinster Weise. Da Madagaskar bislang deutlich mehr internationales Interesse gefunden hat als die Insel Papua- Neuguinea, gab sich v.a. RIO TINTO zumindest in Madagaskar bislang vorbildlich: auf der homepage von QMM (der Tochtergesellschaft von RIO TINTO, die in Fort Dauphin die Drecksarbeit erledigt) rühmt man sich der zahlreichen Segnungen für die Bevölkerung, welche der boomende Bergbau haben soll. Schulen wurden gebaut, Wasserleitungen verlegt, Straßen angelegt und ausgebaut. Auch ein ganzes Heer von Ökologen und Fachleuten habe man betraut, die Umweltschäden so gering wie nur irgend möglich zu halten usw.......... Bleibt die Tasache, das in Fort Dauphin 2009 mehr als 4000 ha unberührten Waldes dem Bagger zum Opfer fielen und der gigantische Süßwasserbedarf der Titanförderung bereits dramatische Folgen für die empfindliche Ökologie der küstennahen Feuchtgebiete hat! Die mittlerweile begonnnen Förderung von Erdöl, bislang einem ausgesprochenen Randprodukt der roten Insel, wirft ebenfalls neue Probleme auf und verschärft bereits bekannte: Nahe dem Nationalpark von Bemahara wird derzeit mit der Förderung von Öl begonnen, neben dem in dieser Gegend weit verbreiteten Übel des Tavy (Niederbrennen des Primärwaldes zur Landgewinnung) eine weiterer Faktor, der die einzigartigen Trockenwaldgebiete an der Westküste bedroht. Neben Madaoil bemühen sich hier Amerikaner und Chinesen um den begehrten Rohstoff – es liegt auf der Hand, dass der Löwenanteil ins Ausland exportiert wird, während der madagasische Staat auch weiterhin völlig vom Import von Rohölprodukten abhängig sein wird! Ein paar Blicke in die homepage des madagsischen Ministeriums für Bergbau zeigt mit erschreckender Freizügigkeit, wo der Zug noch hinrollt: auf einer Karte der Westküste Madagaskars kann der interessierte Besucher sehen, dass die Westküste – von Nosy Bé bis hinunter nach Tuléar und auf 100 km hinaus in den Kanal von Mozambique – bereits parzelliert und in viele grüne "Claims" aufgeteilt ist. Name wie EXXON, TEXACO und dgl. finden sich in den Parzellen, die von Fachleuten vermuteten Öl – und Gasvorkommen sind längst ins Fadenkreuz internationaler Multis geraten. Ein Schuft, wer Arges dabei denkt: was mögen die Ölmultis für die Bohrkonzessionen bezahlt haben und an wen? In der Gegend von Tuléar soll übrigens demnächst in großem Stil Kohle und andere Bodenschätze in großem Stil abgebaut werden, ein Kohlekraftwerk und ein neuer Verladehafen südlich von Tuléar sind geplant – dummerweise genau bei den intakten Korallenriffen und in der Nähe der einzigartigen Vezo-Fischerdörfer an der Bucht von St. Augustine! Eine weitere Karte gibt Aufschlussreiches über die geographische Verbreitung von Uran preis: praktisch über ganz Madagaskar erstrecken sich potentielle Vorkommen (die übrigens in der Vergangenheit bereits von den Franzosen erkundet und teilweise abgebaut wurden). Sollte es anlässlich der drohenden Klimakatastrophe und dem Versiegen der wichtigsten Erdölvorkommen zum einem weltweiten Boom der Nuklearindustrie kommen, mag man sich kaum vorstellen, was dann aus der roten Insel werden wird. Vielleicht dies: ein kahles, trockenes und verkarstetes Eiland, das seine Bevölkerung nicht mehr ernähren kann, entvölkert und schroff. Dann wird die Insel ganz den Maschinen und Baggern gehören, den Bohrtürmen und Pipelines. Die rote Erde wird ein letztes Mal umgewühlt von stählernen Ungetümen verschlungen und ausgespien - und der Wind wird Madagaskars Erbe wie einen roter Schleier davontragen. Dies zu verhindern ist nicht leicht und bedarf komplexer Lösungen. Von einem Reisenden wie mir gibt es zumindest einen Beitrag – wenngleich man durchaus einwenden kann, dass Langstreckenflüge auch nicht gerade günstig für die Welt sind. (Ich wasche mich mit dem Gedanken rein, daß ich erstens absolut klimaneutral heize: Holz! Und zweitens einen Diesel-Smart fahre, der genausoviel Sprit verbraucht, wie ein Fluggast im Jet: 4 Liter/100km!) Nach Madagaskar zu reisen, so oft es geht, ist meine bevorzugte Möglichkeit, ein klein wenig Einfluß auf die Geschicke dieses faszinierenden Landes zu nehmen: Da sind natürlich die dringend benötigten Devisen, welche ich als Reisender in den Wirtschaftskreislauf einspeise. Dann die Tatsache, daß die Menschen der roten Insel oft angenehm berührt reagieren, wenn sie erfahren, daß man schon man schon mal da war: geradlinig und unkompliziert, wie die Madagassen denken, sehen diese sehr wohl, daß erhebliche finanzielle Mittel und Anstrengungen aufgewendet werden müssen, um ihre Heimat zu besuchen. Und dass demzufolge in den Naturschätzen ihrer Heimat, welche aus Not und Unkenntnis leider immer noch von zu vielen Madagassen zerstört werden, ein Reichtum liegt, den es zu bewahren gilt! Dann werden die Menschen vielleicht keine Eier vom ausgestorbenen Riesenfußstrauß Aepyornis mehr für umgerechnet 14 Euro feilbieten, sondern eher 50 Cents für ein unvergessliches Souvenirfoto verlangen und das Ei behalten. Und keine Lemuren mehr in den Kochtopf stecken, sondern zahlende Touristen oder Forscher zu den Tieren führen. Jeder Madagaskar-Reisende informiert sich vorab intensiv über das Land – hierher kommen vor allem "Überzeugungstäter", die relativ genau wissen, worauf sie sich einlassen. Und bringen Informationen und Kentnisse über Zusammenhänge mit, die den Madagassen oft fehlen. Zeigt man sich darüber hinaus interessiert und aufgeschlossen auch (und gerade) den Problemen des Landes gegenüber, wird man bald feststellen, daß die Madagassen in aller Regel über eine verblüffend gute Auffassungsgabe verfügen und Neues begierig aufsaugen. Gutes Benehmen vorausgesetzt, übernimmt der Reisende hier eine wichtige Funktion als Mittler und Verteter einer Denkweise, die sich von den Profitinteressen anderer Ausländer deutlich abgrenzt. R.D. (Name und Anschrift bekannt) ----------------------- Vince (Admin) Deutschsprachiges Gästehaus "FISCHERHAUS" in Antananarivo >>>>> www.spaniol.info >>>>> |
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| Jade Stammgast ![]() ![]() ![]() ID # 420 |
erstellt: 11. März 2010 10:29 zitat pm Vielen Dank fuer diese hervorragende Analyse und die detaillierten Infos, vor allem zur ruecksichtslosen Umweltzerstoerung durch die internationalen Konzerne. Manchmal fragt man sich da schon, ob am 20.12.2012 tatsaechlich das Ende der Welt droht - vielleicht sind wir bis dahin ganz froh darueber, dass endlich alles vorbei ist. Das Weissagung der Cree-Indianer (Greenpeace-Totem) bewahrheitet sich immer mehr: Wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann ! |
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| pangalan Stammgast ![]() ![]() ![]() ID # 323 |
erstellt: 11. März 2010 14:11 zitat pm mail hp Lieber Vince, Liebe Madagaskarfreunde Bei diesen Nachrichten bekomme ich eine Gänsehaut. Werden den Konzerne nur durch Gier getrieben Schaft sie ab . Rufe alle Madagaskarbesucher-die es gut meinen mit der Insel und Ihren Bewohnern zum Boykot auf. Wut kommt auf - aber leider hilft dies nicht. Jade, hat eine schöne Geschichte über die " Schwarze Insel "geschrieben ,damit trifft sie den Punkt. |
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| Tommy Kennt sich schon aus ![]() ![]() ID # 485 |
erstellt: 12. März 2010 08:44 zitat pm mail Der Bericht wiederspiegelt die nackten Tatsachen. Aber wo ist die Ursachenforschung.? Als ich Kind war, gab es viel mehr Baeume und viel mehr Natur in Mada. Die Arbeitslosigkeit war noch einigermassen akzeptabel, die Sicherheit war noch okay. Jetzt ist alles hin, und ich glaube nicht dass die Auslaender daran schuld sind. Mag sein die HIV Infizierten sind mehr geworden in Fort Dauphin, aber das waren sicherlich nicht nur die "Vazaha" wieder. Denn ich glaube nicht dass QMM oder Sherritt bewusst HIV infiziereten ins Land bringen wuerde. Im Gegenteil, das sind die einzigen Firmen die eigenen AIDS Bekaempfungsprogramme haben und diese auch umsetzen. Die UNO hat sein Programm eingestellt weil sie die Regierung nicht moegen, ich finde es sowas von traurig und arrogant. Und auch noch: diese Firmen generieren Arbeitsplaetze, und das braucht das Land zurzeit sehr dringend. Okay, das ist eine lange Diskussion aber ich bin dafuer dass sie hier in Madagaskar investieren und nicht sonst wo. Wir haben bald 60 Jahre Unabhaengigkeit, was wurde gemacht und wer hat sie gemacht? Woher kommt das Geld ? Ich bin ueberhaupt kein Fan von A. Rajoelina aber ich finde dass Ravalomanana noch gefaehrlicher war fuer das Volk. Er hat angefangen das ganze Land fuer sich zu vereinnahmen, alle hatten angst vor ihm weil er sich wie einen Koenig Rambo von Mada benommen hat. Wir andere Madagassen hatten null Chance mehr um irgend etwas aufzubauen, ohne am Ende von Tiko uebernommen zu werden. Letzte Geswissensfrage: wieviel Prozent der Malagasy vermissen den Yoghurt oder die Butter von Tiko? Antwort: nur maximum 30% konnten es sich leisten und hatten es wirklich gebraucht. Madagaskar ist nicht Tana. Fazit: wir sollen diesen Mann nicht nachtrauern, er hat nur das Land ausgebeutet und fuer seine eigene Tasche bewirtschaftet. Er ist selbst schuld fuer seinen Sturzt. Und das war er getan hat, haette auch jemand anders tun koennen, er war kein Superman. Alles wird gut. Wir brauchen neue Menschen mit besseren Mentalitaeten an der Macht. |
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| ilaitrandraka Fühlt sich wie zu Hause ![]() ![]() ![]() ID # 158 |
erstellt: 13. März 2010 23:35 zitat pm mail Herr Randriamanana, da Sie ja anscheinend etwas mit dem Ambatovy-Projekt zu tun haben (wie ich Ihrer E-Mail-Adresse entnehme): könnten Sie vielleicht Ihre Sicht zur Naturzerstörung durch das Projekt erläutern? [Ich selbst habe (noch) keine eigene Ansicht zu dem Projekt, der obige Beitrag war die erste Beschreibung, die ich gelesen habe und ich scheitere gerade wegen eine schlechten Internetverbindung daran, weitere Information, z.B. auf der Sherrit-Website, zu erlangen.] |
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| Tommy Kennt sich schon aus ![]() ![]() ID # 485 |
erstellt: 15. März 2010 16:59 zitat pm mail Lieber Ilaitrandraka. Ich wuerde und kann leider keine Stellung nehmen ueber den Ausmass der Naturzerstoerung durch das Sherritt Projekt. Dafuer bin ich in der falschen Abteilung und somit die falsche Person um genaue Zahlen und Fakten darzustellen. Ich koennte nur ueber das was ich gesehen habe berichten, und selbst das ist nicht komplett. Natuerlich leidet durch dieses Projekt einen Teil der Natur (das wenige was es noch in Mada gibt), aber das passiert auch sonst wo und sogar viel schlimmer woanders wo es grundlos Waelder und Berge abgefackelt werden. Und alle schauen nur zu, kritisieren aber tun nichts dagegen, sei es nur um den Schaden zu lindern. Soviel ich weiss, versucht Sherritt zumindestens ein Programm zu entwickeln um diese Schaden soweit es geht zu reparieren. Natuerlich kann man es auch viel kritisieren, natuerlich wird es nicht mehr so wie vorher sein und natuerlich wird es nicht reichen, aber der Wille und die Geste soll respekriert sein. Ich will damit meinen: es gibt welche die kaputt machen und nicht reparieren und es gibt auch welchen die zumindestens etwas versuchen zu reparieren. Von den beiden haette ich lieber den Zweiten. |
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| Antoka Ist öfters hier ![]() ![]() ID # 117 |
erstellt: 15. März 2010 17:21 zitat pm Ach was sind das doch für scheinheilige GUTMENSCHEN! "Schützt die Natur!" - Die Menschen brauchen keine Arbeitsplätze! Hauptsache wir Gutmenschen können uns Reisen in exotische Länder leisten und den Oberlehrerfinger zeigen. Und wir wollen eine heile Natur sehen. Was kümmern uns die Einheimischen. ![]() |
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| Jack Fühlt sich wie zu Hause ![]() ![]() ![]() ID # 32 |
erstellt: 15. März 2010 18:27 zitat pm mail Hallo 1.) Kann jemand was zur Wahl schreiben? Wieso ist die Vermittlung vom Ausland so wichtig wenn kommend grad gewählt wird, oder ist die Wahl abgesagt? 2.) Die These oben lautet Reisen hilft den Leuten. Aber schon in "normalen" Zeiten gibts unterschiedliche Erfahrungen, eigene Freundlichkeit nützt da auch nix, dass Leute versuchen dem Vazah alles was nur geht aus der Tasche zu ziehen. Und nun: welchen der Naturführer soll ich nehmen wenn 10-20 um einen Job anstehen? Das alles birgt viele Konflikte die man nicht grad in Ferien haben will. Vaovaoweb schreibt dass man nun sogar in Euro zahlen muss. Und so weiter... Andererseits gibts Fernsehberichte die nahelegen der Konflikt sei auf Tana beschränkt, in der Provinz geht die Welt erst 200 Jahre später unter. Wäre toll dazu mal was zu lesen, wg. Reiseentscheidung. Merci! ----------------------- Jack |
Beiträge: 158 | Mitglied seit: November 2002 | IP: gespeichert | |
| Jack Fühlt sich wie zu Hause ![]() ![]() ![]() ID # 32 |
erstellt: 19. März 2010 13:35 zitat pm mail Warum Mafy_Be so fürs Reisen wirbt will er ja nun nicht mehr schreiben. Neuerdings wird verstärkt vor Überfällen gewarnt, Buschtaxis wurden wohl schon überfallen und dem Tourismusvertreter Madas. wird vorgeworfen Kriminalität zu verharmlosen. Betreffend Geld: Für manche Schutzprojekte wurden Mittel trotz Krise beschlossen, welchen Stand der Tourismus tatsächlich hatte weiss ja eh niemand. Dass Touristen Zerstörungen beobachten, verhindert wohl keine folgenden. Wäre aber ganz o.k. wenn mal aktuelle Reiseerfahrungen gepostet werden. Merci! ----------------------- Jack |
Beiträge: 158 | Mitglied seit: November 2002 | IP: gespeichert | |
| Mafy_Be Stammgast ![]() ![]() ![]() ID # 504 |
erstellt: 22. März 2010 02:19 zitat pm mail Aaaaaaaalso, ihr lieben Madagaskar-Freunde: Mafy Be ist durchaus willens , sich weiterhin an der Diskussion zu beteiligen. Der Name ist übrigens keiner Hybris entsprungen, sondern wurde mir von den Betsileo anlässlich eines 45-Kilometer-Marsches durch Andringitra (inkl. Bic Boby-Besteigung) an nur eine Tag verliehen. Warum ich fürs Reisen nach Madagaskar werbe? 1. Weil Madagaskar ein Füllhorn voller bizarrer und unglaublicher Landschaften bereithält. 2. Weil die lebenden Bewohner der roten Insel so vielfarbig, schwer einzuordnen und höchst atttraktiv daherkommen. (meistens) 3. Weil die Menschen dort auf einem riesigen Haufen Reichtümer sitzen, der 18 Millionen doch nicht satt werden lässt - hier bedarf es zunächst einer nationalen Erhebung, einer Erweckung.....! 4. In Madagaskar ist "Moramora" nicht nur ein Schlagwort: was dem einen Reisenden furchtbar auf die Nerven geht, stellt für mich eine Wohltat dar - nur kein Streß! 5. Weil die rote Insel mich nie enttäuscht hat - gleich einer Geliebten will ich ihr in guten (wann waren die wohl???) und schlechten Tagen die Treue halten. Dabei habe ich durchausw auch die Bekanntschaft mit der Kriminalität gemacht, die momentan ausufert: schon beim 2. Aufenthalt 2005 in Antalaha wurden meine Freundin und ich abends auf dem Weg ins Hotel überfallen: es gelang mir immerhin, die Strauchdiebe mit beherztem Gegenangriff in die Flucht zu schlagen, aber zur Zeit gewinnt natürlich der Gewaltaspekt zunehmend Priorität: Feuerwaffen und offenbar schwindende Skrupel der eigentlich friedlichen Madagassen.....ein Freund meinte: "Wir haben unsere Unschuld verloren!" Insgesamt nicht mehr als im übrigen Afrika, übrigens: was uns stutzig macht und verwirrt, ist die Tatsache, daß die Kriminaltität in relativ kurzer Zeit so extrem zugenommen hat. Also kein unschuldiges Paradies (was es auch nie war) - aber auch nicht schlimmer als Kenia, Südafrike, Namibia und dgl. Angesichts des enormen wirtschftlichen Gefälles zwischen Touristen und Einheimischen ist die Kriminaltät auch nicht so verwunderlich, ebenso wie die Prositution und der illegale Handelmit Reptilien, Lemuren und Edelhölzern: eine Unzahl krimineller Elemente und Institutionen beuten die Ressourcen skrupellos aus. Ursachenforschung? Mein lieber Herr, ich kann gut verstehen, daß "wes´ Brot ich eß´, des Lied ich sing´" auch auf der roten Insel gilt uns Sie selbstverständlich die Belange ihres Arbeitgebers vertreten. Das HIV-Infizierte gezielt ins Land gebracht werden, habe ich nie behauptet - aber die Verbreitung der Seuche geht Hand - in Hand mit den Aktivitäten von Minengesellschaften wie Rio Tinto. Und lässt sich auch nicht Kampagnien wegdiskutieren! Warten wir doch mal ab, was für eine Stadt Moramanga in fünf Jahren ist.... Selbstverständlich verdienen die Aktivitäten zur Bekämpfung von HIV und die Entwicklung der Infrastruktur (nebst Schaffung von Arbeitsplätzen) durch die ausländischen Unternehmen Beachtung, aber was ist unter dem Strich letztendlich fällig? Hat man wirklich ale Fakten auf den Tisch gelegt? Wer streicht die Gewinne ein??? Bei aller Schönfärberei konnte mir auch noch keiner erklären, was mir den Unmengen an schwefelsäurehaltigen Rückständen aus der Nickel - und Kobaltproduktion wird, wenn der Extraktionsprozeß beendet ist....und obwohl SHERRITT bestreitet, das radioaktive Verseuchung droht, kann nicht ausgeschlossen werden, das durch den Produktionsprozeß auch natürlich vorhandene strahlende Isotope stark konzentriert werden...schließlich gibt es überall in Madagaskar Uranvorkommen. Daß die Mensch Madagaskar dem Vazaha alles aus der Tasche ziehen, habe ich nicht so erlebt: im Gegensatz zu ostafrikanischen Ländern wie Kenia und Tanzania ist die Bettelei und Strassenhändlerei weitaus weniger aggressiv und viel "dezenter". Man darf sich halt auch nicht auf den erstbesten Preis einlassen und sich obendrein mit der Ariary/Franc-Masche um den fünffachen Betrag prellen lassen!!! Und insgesamt sind die Preise für touristische Leistungen ( auch solche der Extraklasse) in einem Rahmen, der mehr als reel ist angesichts des Gebotenen: Für einen Tag in Isalo gäb´ich weiß nicht was......... Als "Gutmensch" würde ich mich nicht bezeichnen - und ich könnte mir hier vor Ort sicher allerhand mehr leisten, wenn ich nicht immerfort nach Madagaskar fahren wollte. Insofern und angesichts der vielen Tausend Euro, die ich ins Land gepumpt habe, kann ich mit derlei Seitenhieben gut leben! "Exotisch" ist Madagaskar übrigens für mich nicht mehr wirklich zu nennen. Daß der Tourismus nicht der letzte Schluß ist, versteht sich von selbst: es liegt auf der Hand, daß die Madagassen lernen müssen, die enormen Schätze ihres Landes selbst und zum eigenen Nutz und Frommen zu verwalten. Ohne die politischen Intrigen und die Einmischung der Franzosen wäre dieser Weg sicher leichter zu beschreiten: Allerdings fehlt es nach wie vor an einer breiten Mittelschicht im Lande, welche auch das Potential für eine breitgefächerte, politische Willensbildung nach demokratischem Muster stellt. Daher glaube ich fester denn je, daß die Madegassen vom massenhaften Bescuh gutwilliger, sensibler und informierter Besucher nur profitieren können. Überfallen werden kann man auch in Holland, Frankreich oder England. Und natürlich ist es ein Jammer, daß man abgelegene Campingmöglichkeiten in Madagaskar besser gar nicht mehr in Anspruch nimmt. Hält mich aber nicht davon ab: ich bin ein Unverbesserlicher. Und freue mich auf meinen 6. Besuch dort. ----------------------- M.B. |
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| Jack Fühlt sich wie zu Hause ![]() ![]() ![]() ID # 32 |
erstellt: 22. März 2010 17:27 zitat pm mail Hallo Du hast Das Reisen in Bezug zur Krise beworben. Ich teile diese Ansicht nicht. Die Madagassen sind ja wohl selbst gespalten. Eine Parteinahme durch blosse Anwesenheit als Tourist??? Für wenn? Macht das jetzige Chaos die blutige Demo und den Daewoo-Deal besser? Wer eigene Interessen hat reist. Wer Politik machen will soll seine Präferenzen unterstützen, meinetwegen auch persönlich vor Ort. Anderes ist doch Augenwischerei. ----------------------- Jack |
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| von_Gator Ist öfters hier ![]() ![]() ID # 545 |
erstellt: 20. Juli 2010 20:57 zitat pm mail Huhu ich muss noch die Zeit finden die sehr ausführrlichen Berichte zu lesen aber das werde ich. Bitte schreibt weiter eine objektive Sicht ( Nachricht) was Ihr erlebt . Ich denke viele werden es Euch danken zu lesen was Ihr so meint auch vieleicht nur subjekiv, ist aber egal. MfG von Gator PS lasst euch von negativer Kritik nicht gleich ins Bockshorn jagen |
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| tanalahy Kennt sich schon aus ![]() ![]() ID # 544 ![]() |
erstellt: 22. Juli 2010 00:14 zitat pm mail hp Es ist richtig beobachtet: "Überfallen werden kann man auch in Holland, Frankreich oder England." Es gab aber mal Zeiten, da reiste man gerne nach Madagaskar, um einmal nicht überfallen zu werden. ----------------------- Planet VaoVaoWeb ![]() |
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| Jade Stammgast ![]() ![]() ![]() ID # 420 |
erstellt: 22. Juli 2010 07:13 zitat pm Was dabei Angst macht, ist nicht das Ueberfallen werden an sich, sondern die ungeheure Brutalitaet : Wenn Banditen mit Aexten, Schlachtmessern und inzwischen sogar Kriegswaffen (gegen Entgelt ausgeliehen von Militaer und Gendarmen) auf Unbewaffnete - z.B. Taxi-Brousse-Fahrgaeste - losgehen und gleich draufhauen, ohne zu sagen, was sie wollen, muss man sich schon fragen, ob man unter die Wilden geraten ist... |
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