Abgeordnete auf Suche nach Hilfe

Neue Luzerner Zeitung 27.04.2002

sda. Angesichts der anhaltenden Krise auf Madagaskar haben oppositionelle Abgeordnete der Inselrepublik die Schweiz und andere europäische Länder aufgerufen, den noch amtierenden Präsidenten Didier Ratsiraka zur Einhaltung der Abmachungen von Dakar zu drängen. Die vier Abgeordneten, die Ratsirakas Rivalen Marc Ravalomanana unterstützen, erklärten in Bern, die Anhänger Ratsirakas riegelten die Hauptstadt Antananarivo weiterhin mit Strassenblockaden ab und legten einen grossen Teil der Insel lahm.

Damit verletzten sie das vor mehr als einer Woche von Ratsiraka und Ravalomanana unterzeichnete Abkommen von Dakar. Diese Einigung sehe die gemeinsame Bildung einer Übergangsregierung vor sowie ein Ende der politischen Gewalt und die Aufhebung der Strassenblockaden.

Mangel an Medikamenten

Die Fortsetzung der Blockadepolitik verhindere die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten. Die Abgeordneten baten deshalb die Schweiz und andere europäische Länder, Medikamente mit Flugzeugen in die abgeriegelten Gebiete zu fliegen.

Auf ihrer Reise, die die Abgeordneten nach Brüssel, Rom, Paris und Bern führt, bemühen sie sich um mehr Aufmerksamkeit der europäischen Staaten. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) baten sie, sich für eine strikte Einhaltung des Abkommens von Dakar einzusetzen.
«Die Schweiz ruft beide Konfliktparteien auf, das Abkommen umzusetzen und den politischen Dialog fortzusetzen», erklärte EDA-Sprecherin Muriel Berset Kohen. Sie räumt ein, dass die Versorgung der abgeriegelten Region mit Medikamenten ein «echtes Problem» darstelle. Nach Auffassung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ist es jedoch noch verfrüht, Medikamente einzufliegen.