Auf Madagaskar wird neu gezähltÜbergangsrat befriedet die Rivalen um das Präsidentenamt Frankfurter Rundschau 20.04.2002 Von Johannes Dieterich (Johannesburg) Eine Einigung der beiden um das Präsidentenamt kämpfenden Rivalen Madagaskars hat Hoffnungen in dem afrikanischen Inselstaat auf ein Ende des seit Monaten anhaltenden gewalttätigen Konflikts geweckt. Doch ob das ruinierte Land tatsächlich zur Ruhe kommt, ist noch lange nicht sicher. Senegals Präsident Abdoulaye Wade kann stolz auf sich sein. Denn seiner Initiative und Geduld ist es zu verdanken, dass sich die beiden madagassischen Streithähne, der amtierende Präsident Didier Ratsiraka und sein Herausforderer Marc Ravalomanana, am Donnerstag in Senegals Hauptstadt Dakar nach fast 24-stündigen Verhandlungen schließlich um den Hals gefallen sind, nachdem sie eine Vereinbarung unterzeichnet hatten, die den seit Januar andauernden Gewaltkonflikt beenden soll. Danach wird Ratsiraka zumindest vorübergehend Präsident bleiben. Doch sein Herausforderer Ravalomanana, der bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember eine absolute Mehrheit erreicht haben will, soll zweiter Mann in dem Inselstaat und Chef eines Übergangsrates werden, dem auch bei der Berufung der Mitglieder eines Übergangskabinetts entscheidendes Mitspracherecht zukommt. Außerdem sollen laut Vereinbarung die Stimmen der Präsidentschaftswahl neu ausgezählt werden. Der Oberste Gerichtshof Madagaskars hatte am Mittwoch das offizielle Wahlergebnis annulliert, wonach keiner der beiden Kandidaten eine absolute Mehrheit erreicht hat. Wird dieses Resultat bestätigt, soll es in spätestens sechs Monaten einen zweiten Wahlgang geben. Für diesen wird dann eine neue, unabhängige Wahlkommission gebildet, und Beobachter aus den UN, der EU und der Afrikanischen Union werden ins Land geholt. Madagassische Kommentatoren sehen die Vereinbarung als Triumph für den millionenschweren ehemaligen Geschäftsmann Ravalomanana, der sich im Februar nach täglichen Großdemonstrationen seiner Anhänger in seiner Hochburg, der Hauptstadt Antananarivo, zum Präsidenten ausgerufen hatte. Ratsiraka zog sich in die Hafenstadt Toamasina zurück und ließ loyale Truppen alle Zufahrtsstraßen zur Hauptstadt blockieren. Das führte zum ökonomischen Kollaps des Inselstaats, zu einer ernsten Nahrungsmittelkrise in der Hauptstadt sowie zu zunehmender Gewalt auch in anderen Städten Madagaskars. So wurde Anfang der Woche ein Ratsiraka loyaler General in der Provinzstadt Fianarantsoa erschossen. 35 Menschen fanden während des Konflikts den Tod, darunter ein 75-jähriger kanadischer Mönch. Nach UN-Angaben verliert der arme Inselstaat wegen des Machtkampfs täglich 12 Millionen US-Dollar. Nach der Vereinbarung
müssen Ratsirakas Truppen nun die Blockaden aufheben. Beide Seiten
verpflichten sich ferner, auf Straßenproteste und Gewalt zu verzichten.
Beobachter sind allerdings skeptisch, ob die beiden Rivalen ihre zornigen
Anhänger noch wirklich kontrollieren können. |