In der sonnigen Hauptstadt DakarAlain Rajaonarivony 19. April 2002 Das Abkommen wurde schließlich am 18. April 2002 in Dakar, Hauptstadt von Senegal unterschrieben. Unmittelbare Folgen : Freude, Trauer, Entspannung, Bitterkeit, Siegesgeschrei, Klagen über Verrat... Zumindest ist eine Sache klar geworden, das Ereignis hat geprägt. Die Gewalt der Reaktionen zeigt das Leid der Madagassen, das sie eine ellenlange Zeit unterdrückt hatten, in Würde. Die Bevölkerung wollte sich nicht auf die Schaubühne begeben. Sie hatte für das Überleben und für die Zukunft ihrer Nachkommen gekämpft. Zum Schluss explodieren doch die zurückgehaltenen Gefühle : der Hass gegen den Diktator, die unglaubliche, in Ravalomanana gesetzte Hoffnung, die Angst vor den schmerzenden Schlägen des ausscheidenden Regimes, oder sehr einfach ausgedrückt, den Wunsch zu leben ... Das Alles lässt sich in einer einzigen Frage zusammenfassen : Ist Marc Ravalomanana in Dakar in eine Falle gefallen oder nicht ? Natürlich gibt es kein Abkommen, das perfekt wäre und kein Minimum an Konzessionen implizieren würde aber nach ernster Überlegung, scheint es, dass Ravalomanana jedoch sehr gut zurecht kam. Die wichtigen Punkte befinden sich in der Präambel " eine erneute Auszählung der Stimmen , deren Ergebnisse differierten" und im dem letzten Artikel " engagieren sich ... die Verkehrsfreiheit der Güter und der Menschen respektieren zu lassen, mit sämtlichen Drohungen und Gewalttaten auf Menschen und Güter, mit Brückensprengen und Straßensperren auf dem gesamtem Nationalterritorium aufzuhören ". Der Rest ist unwichtig. Alle sind überzeugt, dass Ravalomanana bereits in der ersten Runde die Wahl gewonnen hatte. Wenn es sich nach der erneuten Auszählung zeigt, dass dies der Fall ist, verliert die Folge des Abkommens sofort ihre Kraft. Aber die Entsperrung der Straßen muss umgehend gewährleistet werden. Das bedeutet, dass das wirtschaftliche Leben seinen Lauf wieder nehmen wird, die Informationen werden wieder ausgetauscht, dass die " Vergiftung " und die ungesetzliche Überforderung der " Pro-Ratsiraka " in den Provinzen ans Tageslicht gebracht werden. Das unterschriebene Abkommen bedeutet keinesfalls, dass die Kriminellen nicht verurteilt werden. Im Falle dass Didier Ratsiraka seinen Schergen den Befehl nicht gäbe, die Nationalstraßen zu entsperren, würden die Sanktionen umgehend in Kraft treten : internationale Verurteilung des ausscheidenden Präsidenten und Anerkennung von Marc Ravalomanana. Um dieses zu vermeiden und sich einen anständigen Ausgang zu leisten, muss sich der Ex-Staatsoberhaupt an seine Zusagen halten. Um dieses Abkommen zu erzwingen, musste Marc Ravalomanana eine Kränkung seines Selbstwertgefühls akzeptieren : Er ist nicht mehr " Präsident " sondern " Präsidentschaftskandidat ". Aber dies ist lediglich eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem Leid der Menschen in den Provinzen und in Antananarivo. Er ist sowieso bereits Präsident in allen Herzen. Um international anerkannt zu werden, musste er diesen Weg gehen. Und dies war wirklich eine schöne Geste. Er nahm eine kleine Demütigung an, um sein Volk zu schonen. Nach der erneuten Auszählung wird das Leben auf Madagaskar wieder normal sein, mit einem neuen Präsidenten, mit wiedergefundenen Werten, mit einer Solidarität, die die moderne Geschichte des Landes noch nie gekannt hatte, ohne eine scheinbare Teilung zwischen Hochebene und Küste. Frage : Und wenn Ravalomanana - durch einen unglaublichen Zufall - nicht gleich in der ersten Runde gewählt worden wäre ? Dann fürchte ich, dass ich nicht der Einzige wäre, der den Eindruck hätte, hinters Licht geführt worden zu sein ... Aber dies wäre eine andere Geschichte !... Übersetzung: Sarah Heydenreich |